TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT

mauerfall

Wir denken heute an den 3. Oktober 1990 zurück. Die eigentliche Wende und der Mauerfall begann am 9/10 November 1989.

Ich werde diesen Tag nicht vergessen. Damals befand ich mich gerade im alten Seminar der Ref. Episkopalkirche in Philadelphia. Da rief man mich in einen Seminarraum, in dem ein Fernseher stand.“ Come, look, the Berlin Wall is coming down“!

Wir befanden uns mit den Kindern gerade in den USA auf Reisedienst. Als ich dann abends wieder im Missionshaus eintraf, schauten wir auf dem alten Fernseher, was an diesem Tag alles geschah. Mauerspechte mit Hämmern und Pickeln!

 

Mir kamen die Tränen. Ich konnte dies nicht glauben. „Surprised by Joy!“ Überrascht von der Freude. So hätte es C.S. Lewis sicherlich genannt. Und wir: „Überrascht von der Einheit!“

Mir jedenfalls kamen minutenlang doch die Tränen. Das war einfach nicht zu glauben. Wer hatte dafür gebetet. Hatten deutsche Christen dies bereits jahrelang in ihren Gebeten bewegt und geglaubt ? So etwas geschah in Südkorea, wo Tausende Menschen für ihre Wiedervereinigung beteten, schon seit langem. Aber nichts geschah dort. Hier aber in Deutschland war Gott am Werk, obwohl möglicherweise keiner dafür betete. Und in Korea hat es trotzt vieler Gebete bisher noch keine Wiedervereinigung gegeben. Doch hier bei uns, nach 40 Jahren Trennung deutscher Familien, kam unvorbereitet, unerwartet und fast ungläubig plötzlich die Wiedervereinigung.

Wir lernen, was im Plan Gottes, in seiner Vorherbestimmung festgelegt ist, das geschieht trotz aller Umstände, mit oder auch ohne Gebet, denn unser Gott ist ganz souverän. Er bestimmt Zeit und Stunde in seiner Allmacht, Allwissenheit und durch seine Allgegenwart. Denn Gott ist Gott!

Deshalb fragt und verkündet Paulus über die Rückkehr und Wiedervereinigung des ungläubigen irdischen Volkes Israels mit dem gläubigen geistlichen Volk Israel: Römer 9, 18 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. 19 Nun sagst du zu mir: Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? 20 Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? 21 Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen?
Alle waren sich damals bewusst: Dieser Tag ist ein Einschnitt nach 40 Jahren Prüfung in unsere deutsche Geschichte. Dieser Tag betraf jedes Leben. Es war ein ähnlicher Einschnitt wie beim Volk Israel, dass 70 Jahre vom Heimatland nach Babel weggeführt würde: Jeremia hatte das Volk gewarnt. Aber ohne Erfolg. Doch nach 70 Jahren hatte die Prüfungszeit ein Ende.

Wir hören von Daniel: 9, 1 Im ersten Jahr des Darius, des Sohnes des Ahasveros1, aus dem Stamm der Meder, der über das Reich der Chaldäer König wurde, 2 in diesem ersten Jahr seiner Herrschaft achtete ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, von denen der HERR geredet hatte zum Propheten Jeremia, dass nämlich Jerusalem siebzig Jahre wüst liegen sollte. 3 Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche. 4 Ich betete aber zu dem HERRN, meinem Gott, und bekannte und sprach: Ach, Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! 5 Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen. 6 Wir gehorchten nicht deinen Knechten, den Propheten, die in deinem Namen zu unsern Königen, Fürsten, Vätern und zu allem Volk des Landes redeten. 7 Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen, die von Juda und von Jerusalem und vom ganzen Israel, die, die nahe sind, und die zerstreut sind in allen Ländern, wohin du sie verstoßen hast um ihrer Missetat willen, die sie an dir begangen haben.

Das Volk Israel kehrte danach mit Esra und Nehemia zurück ins verheißene Land. Das Volk wurde wieder eins. Hier erfüllte sich das Wort Jeremias: 29,10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

Auch unsere 40 Jahre waren zu Ende. Für unser Volk wurde ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlagen. Man freute sich über die Zusammenführung oder Rückanbindung an die Bundesrepublik, man war dankbar für die neue errungene Freiheit, erfreut über die lang ersehnte Einheit unseres Volkes. Die Freude überdeckte alles vergangene Leid, alle Unterdrückung und alle Trennungen. Es gab Freibier und Begrüßungsgeld!

Heute schauen wir auf 23 Jahre nach der Wende zurück. Der eiserne Vorhang ist gefallen. Die plötzliche Begeisterung ist nun verflogen. Der Alltag hat sich wieder eingestellt. Viele Ideen und Hoffnungen sind wie Seifenblasen sind geplatzt. Nicht überall sind blühende Landschaften entstanden. Die Realität hat sich breit gemacht. Es gab Erfolge, aber auch Enttäuschungen, Verzweiflung und viele Neuanfänge. Viele erlebten im Rausch auch einen Bankrott. Doch das Leben nach mehr als 20 Jahren ist weitergegangen, Dinge des Ostens sind in den Westen importiert worden, Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen oder Westkapitalismus und Ellenbogengesellschaft sind im Osten erstanden. Neue Herausforderungen kamen auf Ost und West zu. Nun haben wir eine Bundeskanzlerin und einen Bundespräsidenten mit Ostwurzeln, die Gesamtdeutschland regieren oder repräsentieren.

Und wer meinte, die Menschen seien nach den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen nun zufriedener, gelassener oder vielleicht auch Gott dankbarer, der wird feststellen, dass sich im Geist und der Seele der Ossis und Wessis nicht viel geändert hat. Mehr als 60 % sind im Osten weiterhin nichtkirchlich oder kirchenfern. Von einem Verlangen nach Gott scheint man nicht viel zu merken. Großstätte wie Berlin oder Hamburg kommen auf eine Atheisten-Statistik wie im Osten. Eine Dankbarkeit gegenüber Gott ist kaum in Ost oder West festzustellen. Fast alle denken nur an sich, an ihr Vorankommen, an ihren Wohlstand, an ihr Überleben. Warum? Wir fragen? Hat es auch eine innere Wende nach der äußeren Wende gegeben? Wurde die Mauer, die zwischen Gott und Mensch war, die der Sündentrennung, bei vielen Menschen abgerissen? Ist der Eisernen Vorhang zwischen Gott und Mensch zur Seite geschoben worden? Das sind die eigentlichen Fragen, die wir nach der großen Wende, der trennenden Mauer des Eisernen Vorhangs zwischen Gott und den Menschen stellen müssen, gelöst? Denn es ist wichtiger, dass bei jedem in Ost und West, ganz persönlich die große Mauer zwischen Gott und Mensch abgerissen wird und die große Wende eintritt, dass anstatt der früheren Wende von Gott weg nun die Wende auf Gott zu beginnt.

Doch wir müssen ernüchtert feststellen: Der alte Adam in uns, die Neigung zum Bösen, wie es unser Glaubensartikel 9 oder der Römerbrief in 8,19 sagt: „Das Böse, was ich nicht tun will, tue ich!“ Das hat die damalige Wende auch noch überlebt. Die Neigung zum Bösen steckt noch genauso in uns wie damals in der Zeit vor der Wende – hier im Westen wie auch im Osten.
Doch uns ist an einer wirklichen Wende gelegen, einer Wende eines jeden unter uns zu Gott durch Jesus Christus, der für uns am Kreuz gestorben und Mittler geworden ist. Er will uns erlösen und unser Leben erneuern, verändern dass es gottähnlich wird, dass wir in das Ebenbild seines Sohnes umgestaltet werden. Es ist die Wende zum Leben, zu Christus, die nicht nur uns, sondern auch unsere Familien, unserer Beziehungen, unseren Arbeitsplatz und unsere Gesellschaft verändern wird.

Gott hat die Trennung, die Mauer zwischen Himmel und Erde abgerissen, durch den Tod seines Sohnes am Kreuz. Er hat eine Brücke zur Ewigkeit und eine Brücke der Versöhnung zu allen Menschen geschaffen. Die Mauer ist von Gott abgerissen worden, er hat Ost und West, Nord und Süd, Juden und Nichtjuden zusammengeführt hat. Er hat Frieden gemacht am Kreuz, Christus ist unser Friede. Er ist der Garant für Frieden und Einheit.

Dank, dass Gott in seiner Vorherbestimmung unser Volk wieder geeint hat; dank, dass er uns selbst zu sich gebracht hat, indem er die Trennmauer der Sünde abriss. Dank, dass Gott und Mensch durch Christus vereint sein kann.

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