Das Gleichnis vom Unkraut und Weizen erklärt sich eigentlich von selbst, wenn wir die Verse 36 – 43 lesen.

Who is who? Sämann? Guter Samen? Unkraut? Feind?

Auslegungsmöglichkeiten: Welt – Kirche – Mensch
Das Gleichnis wird gewöhnlich auf die Welt allgemein und / oder auf die Kirche bezogen. Es gibt dazu unterschiedliche Auslegungen in der Kirchengeschichte. Möglicherweise sind beide Auslegung akzeptabel. Sie mögen sehr interessant sein, aber was nützt dies mir persönlich?
Wir wissen aber, dass es Böse und Gute in der Welt und Politik gibt. Gleicherweise haben wir auch immer wieder negative Beispiele aus der Kirche. (Priester und Pfarrer, die sich an Kindern vergehen oder Bischöfe, die falsch handeln oder Geld veruntreuen.
Aber kritisieren nach außen, mit dem Finger auf andere zeigen, das kann jeder. Aber was hilft das mir, dem Gläubigen persönlich?

1. Anwendung auf unser eigenes Leben:
Wenn es also Böses und Gutes in Politik und Kirche Christi gibt, finden wir diese Bereiche nicht auch in unserem eigenen Leben? Paulus sagt: Das Gute, was ich tun will, tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich. Rö. 8,19
Wissen wir um das Gute, die gute Saat der Gnade, die Gott in unserem Leben gesät hat? Wenn ja, dann hat Gott dich zum Weizen berufen, aber nicht Unkraut zu sein.

Oder finden wir doch noch eine Menge Unkraut in unserem Leben? Gibt es Unordnung auf vielen Gebieten?
Der Christ stellt fest: Ja, da findet sich auch noch Unkraut in meinem Leben. Aber, woher kommt das Unkraut?
Es kommt von außen, aber auch von innen aus dem Herzen heraus.
Wie und wann entsteht es?
Das Unkraut, das der Böse säte, hat nicht nur in der Welt böse Frucht hervorgebracht, sondern auch direkt in meinem Leben, und ich verabscheue es sogar. Deshalb möchte auch verstehen, unter welchen Voraussetzungen so etwas zustande kommt.

a) Wenn Christen schlafen
V 24 Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut.
Während ich schlafe, kommt der Böse und sät Unkraut in mein Leben. Es gibt viele Schlafformen: Träume, vor sich hin dösen, Visionen haben, Halbschlaf, etc.. Unser geistlicher Schlaf ist also Einfallstor für dem Bösen und das Unkraut. Dies gilt für mein Leben, aber auch für die Welt, Politik, für Kirche und Gemeinde.
Immer, wenn die Jesusleute geistlich schlafen, nicht hellwach sind, dann kommt der Teufel und treibt sein Unwesen in ihrem Leben. Für mich heißt es: Immer, wenn ich halbwach bin, döse oder einschlafe, dann kann Satan seine Arbeit beginnen.

In einer berühmten Predigt über Röm. 14 hat der englische Bischof Hugh Latimer Satans Arbeit so beschrieben:
Und jetzt möchte ich euch eine seltsame Frage stellen: Wer ist eifrigste Bischof und Prälat in ganz England, der alle übertrifft? Ich kann es Ihnen sagen, denn ich weiß, wer es ist, ich kenne ihn gut. Und jetzt merke ich, wie Sie hören und die Ohren spitzen, dass ich ihn nenne. Es ist einer, der alle anderen übertrifft und er ist der fleißigsten Prälat und Prediger in ganz England. Und wollt ihr wissen, wer es ist? Ich werde es euch sagen: Es ist der Teufel. Er ist der fleißigste Prediger von allen. Er ist nie aus seiner Diözese, nie von seiner Pfarrei weggegangen. Ihr werdet ihn nie lässig finden. Er ist immer in seiner Gemeinde. Er behütet seine Residenz allezeit. Ihr werdet ihn nie außerhalb finden. Rufe ihn jederzeit, wenn du willst an, er ist immer zu Hause. Er ist der eifrigste Prediger im ganzen Bezirk, und er hat immer seine Hand an den Pflug gelegt. Kein Herrscher noch Herumlungerer kann ihn stoppen. Er wird immer sein Geschäft im Griff haben. Man wird ihn nie im Leerlauf finden, ich versichere es dir. Und sein Büro ist dazu da, die Religion, den christlichen Glauben zu behindern, den Aberglauben zu pflegen, Götzendienst zu fördern, und eine Art des Papsttums zu unterstützen. Er ist bereit, seinen aufgestellten Pflug nach Wunsch zu benutzen und nach allen Möglichkeiten zu suchen, wie man die Herrlichkeit Gottes verunstalten und verschleiern kann.

Lektion: Unsere erste Abwehr gegen Unkraut und den Bösen besteht also darin, dass wir geistliche wach bleiben. Deshalb:
Schreibe dir geistliche Notizen auf, hänge dir Zettel an die Wand oder wie die Juden, schreibe dir Bibelverse auf Hände, Arme oder an deine Stirn. Weiter: Lass andere Christen dich erinnern, anrufen, SMS schicken, etc., und plane reglmäßig Zeiten des Gebets und Bibelstudiums ein. Lese täglich fortlaufend nach einem Bibelleseplan. Benutze den Ein- oder Zweijahresplan unserer REK (oder andere Lektionare).  Beginne und unterhalte geistliche Gespräche mit anderen Christen oder Nichtchristen. Trinke „geistlichen Kaffee“, nehme eine „geistliche Dusche“, wenn du zu ermüden beginnst: Besuche eine christliche Freizeit, ein Retraite oder Bibelseminar oder gehe mal eine Woche in ein Kloster. Und wenn du müde und schläfrig im Alltag wirst, dann hau dir selbst eins ins Gesicht. Reiß das Fenster deines Lebensautos auf und lass frische Luft hinein, damit du auf der Autobahn deines Lebens nicht einschläfst und einen Totalschaden erlebst. Hallo1 geistliche Wachbleiben, damit kein Teufelsunkraut in deinem Leben aufgeht.

b) Das Prinzip des gleichzeitigen Wachstums – Böses / Gutes
Nicht immer wissen wir, was in uns gleichzeitig zu wachsen beginnt. Besonders bei kleinen Kindern erkennen wir, wie Weizen und Unkraut zusammen wachsen.
Was kann nicht alles bei einem 2-Jährigen gesät werden, was dann bei einem 5-Jährigen schon Früchte bringt? Wenn wir nichts tun und den Unkrautsamen wachsen lassen, dann kann er sich zu einem kriminellen Unkraut in Leben eines Teenagers entwickeln.
Besonders finden wir beide Seiten bei jüngeren Menschen, die in der Pubertät von ihren Emotionen und neu entdeckter Körper-Chemie und Schwarz-Weiß-Sicht der Welt zerrissen werden.

Feststellung: Wir stellen fest, dass guter und schlechter Same gleichzeitig, aber langsam im Leben aller Menschen aufwächst, ohne dass sie es sofort bemerken. Dies scheint einfach organisch zusammengehören.
Bei einem Neubekehrten, der dies merkt, mag es sein, dass er impulsiv sich wörtlich nach der Schrift am liebsten die Hand abhacken und das Auge ausreißen will.

Wenn wir aber reifere oder ältere Christen sind, werden wir feststellen, dass man die entdeckten Unkrauteigenschaften nicht auf diese Weise ausreißen kann, noch dass die Schrift so zu verstehen ist.
Wir sollen also nicht radikal an das Unkraut unseres Lebens oder das anderen Menschen herangehen. Es bedeutet nicht, dass uns dies Teufelskraut egal sein soll, sondern dass wir überlegt, sorgfältig und nachhaltig mit dem entdeckten Unkraut umgehen sollen. Wir können es nicht vorzeitig, plötzlich und gewaltsam ausreißen. Denn wir lesen: am Ende werden Gottes Arbeiter, seine Engel, es erst ausreißen, bündeln und verbrennen. Also bitte nicht gleich draufgängerisch, eigenherrlich es befehlend aus unserem Leben verbannen. Gewalttätig können wir keine Sünde, noch unser selbst Unkraut ausreißen. Denn der Weizen, die gute Frucht, muss zuerst wachsen und deutlich reif werden.
Im Befehlston Unkraut wegjagen zu wollen geht nicht. Wenn ich dies aber trotzdem in eigener Kraft versuche, werde ich dabei stolz. Dann aber wende ich meine Augen vom Herrn ab und von seiner Methode, mir auf andere Weise die Unkrautsünden wegzunehmen.
Verzweifeln wir nicht oft daran, dass wir meinen, die Sünden in unserem Leben oder dem unserer Kinder könnten niemals ausgerottet werden? Gerade zur Verzweiflung oder zum Übermut wegen unseres Sündenunkrauts will uns der Teufel bewegen. Unsere Verzweiflung über das Wachsen des Unkrauts ist für den Bösen genauso delikat, wie unser Sündenunkraut an sich. Wenn also die Verzweiflung oder das Sündenunkraut an sich mich dazu bringen, dass ich mich dann ganz auf mich selbst konzentriere, mich damit aber von Jesus weg bewege, dann kann ich sicher sein, dass ich den Bösen, den Teufel, recht glücklich damit mache: Nimm dein Unkraut jetzt selbst in die Hand, reiß es sofort aus oder verzweifle darüber.

Feststellung:
Ich stelle fest, dass mein Unkraut, meine Sünden mit mir organisch wachsen, genauso, wie auch gleichzeitig Christus in mir Gestalt angenommen hat. Da ist der „Neue Mensch“ – Christus in mir, aber die böse Neigung ist auch noch da. Deshalb besteht meine Aufgabe hauptsächlich darin, ihn täglich anzurufen, damit er nach seiner Weise zur rechten Zeit in mir mein Unkraut ausjätet, aber besonders ihn zu bitten, dass der gute Weizen, der gute Charakter und die guten Taten beständig wachsen.

2. Vertrauen in den Guten – Menschensohn – festigen
Nun wollen wir unser Augenmerk darauf lenken, wie Jesus mit dem Unkraut in meinem Leben umgeht. Jesus hat es erlaubt, dass das Unkraut noch weiter in meinem Leben existiert. Vergleichen wir hier einige Ähnlichkeiten Richter 3,1:

Dies sind die Völker, die der HERR übrig ließ – damit er durch sie Israel prüfte, alle, die nichts wussten von den Kriegen um Kanaan,
2 und die Geschlechter Israels Krieg führen lehrte, die früher nichts davon wussten -,
4 Diese blieben, um Israel durch sie zu prüfen, damit es kundwürde, ob sie den Geboten des HERRN gehorchten, die er ihren Vätern durch Mose geboten hatte.
Warum hatte Gott dieses heidnische Götzenunkraut im Lande Kanaan gelassen, bzw. aufgehen lassen? Damit alle Unwissenden um Gottes persönliche Führung geprüft würden, ob sie Gott vertrauen, lieben und seinem Willen gehorchen.

Lektion für uns: Prüfung, Vertrauen, Geduld
Gott hat das Unkraut in meinem Leben gelassen, wenigsten teilweise, damit Vertrauen und Geduld in meinem Leben entstehen, ihn persönlich zu erfahren und nach seinem Willen leben. Denn so, unter Prüfung, wächst in mir die Frucht, der gute Weizen, aber in der Auseinandersetzung, gestärkt im Kampf.

Achtung Missverständnis!
Gott will aber kein Unkraut in unserem Leben. Es soll tatsächlich so schnell wie möglich aus unserem Leben verschwinden. Aber wie und in welcher Zeit?
Wir wissen, dass Jesus Wasser in Wein verwandelt hat. Dies sieht aus, als würde heute ein Kind einen Zauberstab nehmen und Hokuspokus sagen, etwas mit einem Zauberstab tun, ein Kinderspiel! Doch nicht so im Leben seiner Nachfolge. Jesus hat an dem, was er litt, selber erst Gehorsam gelernt. Doch Jesu liebstes Wunder ist Böses in Gutes umzuwandeln. Dazu benötigt er im Leben der Menschen seine Zeit. Dagegen geht es bei Satans wie mit einem Zauberstück entgegengesetzt her: Mit einem plötzlichen Schnipsen will er das Gute in Böses umkehren.
Deshalb spricht Jesus immer wieder davon: Böses mit Gutem zu erwidern, die andere Backe auch noch hinzuhalten oder, wenn gezwungen, zwei Meilen anstatt eine zu gehen, oder auch zu segnen, die uns verfolgen.
Tatsächlich kann dass Vorhandensein von Unkraut in unserem Leben auch Grund für manche Segnungen werden. Die Motive und Handlungen beim Unkraut bleiben zwar immer noch böse, aber Gott gebraucht das Unkraut zum Guten in unserem Leben.
Denken wir an so vielen Tugenden, Stärken, Erfindungen, die deshalb entstehen, weil es so viel böse, schlechte Nachrichten und Unglücke in der Welt gibt?
Wir wissen, die Liebe kann nur in eine Welt voller Dunkelheit hell erscheinen. Wie viel Liebe haben Missionare und Missionarinnen, Ordensleute, Priester und Pfarrer in einer Welt voller Dunkelheit gezeigt, in der Welt einer verkommenen und bösen Generation? Sie leuchteten dort wie die Sterne.

Wie viel Missionseifer ist nicht schon wegen einer verunkrauteten bösen Welt zur Evangelisation entstanden, damit dort Gottes Weizen aufgeht, ob unter Moslems, sozialen Brennpunkten oder in Prostituiertenvierteln? Wie viele Kirchen- und Missionsorganisationen zur Verbreitung des Evangeliums in aller Welt sind nicht in den letzten Jahrhunderten entstanden, damit Licht in die Finsternis der Völker, der gute Same hineingesät wird?
Wie viel Vertrauen, Geduld und Liebe wurden nicht schon trotz Leid und Zerstörung während und nach den Weltkriegen zur Saat ausgeschüttet?

Lektion:
Wir können uns nicht so einfach und sofort vom Unkraut in unserem Leben trennen. Wir müssen lernen, damit zu leben und umzugehen, ohne zu murren. Wir sind aber aufgefordert Böses in Gutes umzuwandeln, berufen den guten Samen, den Weizen Gottes, in unserem Leben wachsen zu lassen. Wir sollen geduldig beten für die Umwandlung und Bekehrung zum Guten, zum Wachsen des Weizens.
Noch wichtiger ist, dass wir unter unseren Mitmenschen so leben, wie Gott es wünscht, indem wir den Sündern mit Gutem begegnen, ohne dass wir selber wie sie werden; ohne zu murren, zu schimpfen, zu fluchen oder Schlechtes zu reden.

Der größte Segen ist jedoch, selbst in der Gegenwart Gottes zu bleiben, obwohl ich all das Unkraut um mich herum sehe. Mein Wunsch ist, nicht so wie jene zu werden.

Meine einzige Hilfe ist, mich zum Sämann zu wenden, zu Jesus, dem Gärtner des Garten Gottes selbst.
Möge er in mir das gute Werk, das er angefangen hat, in mir auch vollenden.

Es ist das Unkraut in mir, das mich in des Sämanns Arme treibt; es sind die Unkrautmenschen um mich herum, die mich in des Gärtners Arme bringen. Und zwar: vertrauensvoll und in Geduld. Dies zeigt aber, dass ich den Wunsch habe, Jesu Charakter in mir entstehen zu lassen, den guten Weizen.

Es ist mein gößter Wunsch, durch Jesus gute Frucht zu bringen, und gerade wegen des Unkrauts in mir und in meiner Umwelt. Amen

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