Gefängnis

Befreit zur Nachfolge – Mit Jesus auf dem Weg hinauf nach Jerusalem

Download: Homilie zur Kollekte Septuagesimae Sonntag

 

3. Sonntag vor der Fastenzeit – Septuagesimä

Altes Testament: Jer 9,22-23; Ps. 31,20-25; Epistel: 1.Kor 9,24-27;  Evangelium: Mt 20,1-16

Wochenspruch:

„Wir liegen vor Dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf Deine große Barmherzigkeit.“ (Dan 9,18)

Tagesgebet

nach dem Allgemeinen Gebetbuch:

O Herr! Erhör wohlwollend die Gebete Deines Volkes, damit wir, die wir zurecht für unsre Missetaten bestraft werden, durch Deine Güte barmherzigst davon befreit werden. Durch Jesus Christus, unsern Erlöser, der mit Dir und dem Heiligen Geist, ein einiger Gott, lebt und regiert, jetzt und allezeit und in Ewigkeit.  Amen.

* * *

Mit dem heutigen Sonntag Septuagesimä,

etwa 70 Tage vor Ostern, werden alle unsere Gedanken, die wir mit dem Kommen und der Erscheinung Christi unseren Geist gefangen hielten, fallen gelassen. Von heute an – im christlichen Kalender – wird ein neuer Abschnitt mit veränderter Betonung eingeläutet.

 

Mit diesem Sonntag bekommen wir unseren ersten Eindruck auf die nun anbrechende Zeit der Erniedrigung Christi. Und somit fällt eine sich immer mehr verdunkelnde Wolke auf unser Kirchenjahr bis Karfreitag und -samstag. Das christliche Jahr begann mit der Ankunft und Geburt Christi, und wir sangen: Christ der Retter ist da!

Jetzt aber folgen wir ihm nach mit einem neuen Blick auf seine Erniedrigung, erkennen seinen Auftrag und die Last, die er für uns trägt, um unser Retter zu werden. Von heute an zählen auch nicht mehr die Sonntage nach Weihnachten und nach Epiphanias, seinem Erscheinen, sondern wir zählen jetzt rückwärts, wie wir dies bei einem Raketenstart gewohnt sind: …10, 9, 8, … ,3,2,1- Zero – Null. Von diesem Sonntag an bis zum Tod unseres Retters am Kreuz heißt es: Septuagesimä 70, Sexagesimä 60, Quinquagesimä 50, dann: Quadragesimä 40 (ein Wort, das von quadraginta herstammt). Dann aber sind es nur noch 40 Tage bis Ostern.

Mit dem Aschermittwoch, dem nochmaligen besonderen Einschnitt, dem Beginn der Fastenzeit, zählen wir weiter rückwärts und möchten uns in unserem Geist und Körper auf unseres Herrn einstellen, der spricht: Kommt, lasst uns hinaufgehen nach Jerusalem und dort alles vollenden.

Von diesem Weg der Nachfolge in der Erniedrigung sprechen auch heute unsere Lesungen und stimmen uns auf diesen geistlichen Countdown ein.

In der AT Lesung

erkennen wir, was Gott von seinem Volk in der Nachfolge und im Bund Gottes erwartet hatte. Die Menschen, die dem Willen Gottes folgen, sollten sich weder ihrer eigenen Weisheit, persönlichen Macht oder ihrer Reichtümer rühmen. Ich weiß was, ich kann was, ich hab‘ was. Stattdessen sollten solche Menschen sich nur rühmen oder darauf stolz sein, dass sie ihren Herrn innig kennen und auch verstehen. Es geht um eine innige, liebevolle Kenntnis von Gott (1Joh 3,1). Gott wollte, dass das Volk seine Güte und Gerechtigkeit genau kennt. Barmherzigkeit oder Güte bezieht sich auf Gottes treue Liebe: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte – Jer 31,3 (33,11; Klgd 3,22). Gott würde zu seiner Verpflichtung gegenüber seinem Volk treu stehen, selbst inmitten ihres sündigen Lebens. Denn über ganz Israel steht Gottes Urteil: Sie haben ein unbeschnittenes Herz. Aber in seiner großen Barmherzigkeit verkündet er, dass er es ist, der ihnen ein beschnittenes Herz geben will. Dies trifft aber nur die, die nicht auf ihr eigenes Können, Wissen und Haben stolz sind. Denn Beschnittene können nur Menschen sein, die sich selbst zurücknehmen, nicht viel von sich halten, besonnene und fromme, die alles von ihrem Herrn erwarten, ihn lieben und nachfolgen.

In unserer Epistel spricht Paulus von dem ungeteilten Einsatz, aber auch von der Möglichkeit des Scheiterns im Christenleben, und nicht nur für diejenigen, die im himmlischen Rennen laufen (1Kor 9, 24, 26). Wir denken auch an die, die einem anderen Evangelium nachlaufen. Das heißt für alle im Reich Gottes Kämpfenden, dass sie in der Nachfolge und für das Himmelreich manche Strapazen durchstehen, um Gottes Herrlichkeit und einen Siegeskranz zu erlangen. Diese Anstrengungen treffen hier auf den Apostel Paulus zu, in denen er sich eigentlich immer befindet. (V 27). Trotz allem möchte er nicht vergeblich gekämpft haben. Wenn er schon so um seine Nachfolgelauf besorgt ist, wie viel mehr sollten gerade wir um unseren Einsatz im Reich Gottes besorgt sein?

Das Evangelium

nimmt das gleiche Thema auf. Dort im abschließenden Vers schreibt Matthäus, um uns in unserer Nachfolge an eine wichtige Angelegenheit zu erinnern. Denn, obwohl viele berufen wurden, in Gottes Weinberg und Mission zu arbeiten, sind doch nur wenige von ihnen auserwählt, die letztlich den Siegespreis gewinnen werden. Erst und Letzte?  Denn viele sind berufen, doch wenige auserwählt! Matth 20,16

 Das Kollektengebet

selbst ist in eine Bewegung der Erniedrigung eingebettet. Es stellt sich wie eine Person im Bußgewand vor, die um Vergebung bittet. Sie befindet sich im Gefängnis hinter Gittern und bittet um Erbarmen und Erhörung. Christus steht noch in einer Entfernung und vernimmt den Ruf um barmherzige Befreiung aus diesem Gefängnis.

Damit werden wir heute durch alle drei Abschnitte der Schrift, die im Gottesdienst gelesen wurden, erinnert, dass sich nun ein neuer Abschnitt des christlichen Kirchenjahres mit Blick auf unsere eigene Jesusnachfolge fortsetzt.

Ab jetzt aber werden wir begleitet von ernsten, schmerzenden und auch mehr traurige Motiven und Melodien. Sie sollen uns mit auf dem Weg begleiten und verstehen und empfinden lassen, dass wir in unserer Nachfolge mit Christus den schweren Weg hinauf nach Jerusalem gehen, mit ihm dem Kreuzestod entgegen.     Amen