Ewigkeit im Herzen mit Barmherzigkeit in den Händen!

Die rechte Theologie im Kopf, ein unempfindsames Herz, zwei linke Hände für den Nächsten. Ist solch ein Mensch für die Ewigkeit gerettet?

Predigt auf YouTube:

https://youtu.be/aS3SRslBAi0

13. Sonntag nach Trinitatis – Lukas 10,25-37

Der Barmherzige Samariter

Der Schriftgelehrte, der gelernte Theologe und Rabbiner wollte Genaueres von Jesus Christus über diese Ewigkeitsfrage wissen. Denn das Gewissen sagt allen, dass es einen Gott gibt. Und die genauere Frage um die Ewigkeit und den Einsatz für die Ewigkeit steht doch jedem Menschen im Herzen geschrieben, besonders wenn er wie der Pharisäer hier fragt: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu ererben?

Ist das auch Deine Frage? Gibt deine Kirche und Gemeinde heute darauf noch regelmäßige Antworten? Oder beschäftigen sich die Kirchen heute eher mit folgenden Themen: Wie können wir noch die Welt retten? Nämliche die Wale, die Eisberge oder die Gletscher retten, aber nicht die ca. 500.000 jährlich abgetriebenen Kinder.

Doch Jesus erkennt in unserer Erzählung, dass der Pharisäer, der sich in allen theologischen Fragen auskennt, ein anderes Problem mit sich herumträgt. Jesus erkennt die tiefere Frage in seinem Herzen, die Ungewissheit, die mit der persönlichen Ewigkeit zusammenhängt. Die zweite Frage, die damit verbunden ist, Gott zu lieben, ist die Alltagsliebe, nämlich: Wer ist denn mein Nächster? Weil Jesus den Mangel der Herzensliebe bei ihm entdeckt, deshalb erzählt er dem Pharisäer sofort die belehrende Geschichte vom Barmherzigen Samariter.

Denn solange dieser noch nach: Wer ist denn mein Nächster? fragt, schließt er einen Personenkreis, eine Volkschicht von sich aus. Denn damit sind für ihn nur solche Nächste, die er sich selbst aussucht.

Der Pharisäer ahnt bereits hier, dass er nicht das Liebesgebot zum Nächsten ganz erfüllt und deshalb zu kurz kommt. Jesus beantwortet nun nicht seine Frage damit, dass er ihm eine bestimmte Gruppe von Leuten vorstellt, die er zusätzlich lieben soll. Nein, er zeigt uns mit diesem Gleichnis, welches die unterschiedliche Beachtung eines hilfsbedürftigen Menschen herausstellt, dass die rechte Frage nicht lauten soll: Wer ist mein Nächster, sondern Wie werde ich – durch mein inneres Bewegt-Sein  – einem Bedürftigen zum Nächsten.

Diese Frage wollen wir uns auch stellen. Wir lernen, dass die Samariter Menschen waren, die von den Juden verachtet und gehasst wurden. Sie wurden wie Ausländer oder Migranten behandelt, waren ein Mischvolk, Menschen zweiter Klasse. Wir könnten auch sagen, viele Pharisäer waren damals schon Rassisten. Doch dieser verachtete Samariter kümmert sich nicht um Fremdenhass, um Verachtung, er denkt auch nicht daran, dass er vielleicht Zeit, Geld und seine Kraft vergeudet. Nein, dem Samariter geht es darum, die jetzige Not, die er vor seinen Augen sieht, die ihn innerlich trifft, sofort selbst zu lindern. Sein innerstes Mitgefühl drängt ihn dazu. Er kann nicht anders. Er selbst muss dem Bedürftigen zum Nächsten werden.

Kennen wir solch ein Mitgefühl, angezündet durch die Ewigkeit, durch unsere Liebe, die von Gott kommt?

Als ich in Marburg noch Theologie studierte, traf ich Jutta Herzog, 67 Jahre alt. Sie war Diabetikerin. Ich hatte sie mit Unterzucker und beinahe Bewusstlosigkeit ins Krankenhaus gefahren. Dann stieg der Zucker wieder auf 400. So befand sie sich in Wehrda. Ihr war selbst nicht wohl zumute. Doch in der zweiten Woche sah sie eine 85jährige ausgelaugte Müllersfrau, die in ihrer Blütezeit Zentnersäcke getragen hatte, im Flur sitzen. Das Herz jener Frau war sehr erweitert. Sie konnte nur noch mit Mühe gehen. Niemand kümmerte sich um sie. Doch Jutta näherte sich ihr, nahm sie in den Arm und spazierte trotz ihrer Krankheit täglich eine Zeit mit ihr im Krankenhaus durch die langen Flure. Jutta wurde dieser 85-jährigen Müllerin zum Nächsten. Sie konnte nicht anders, sie musste ihr zur Nächsten werden. Sie war für die alte Müllerin ihre barmherzige Samariterin.

So gibt es noch viele Beispiele in der alten und neuen Kirchengeschichte, wie auch die Samariterin Mutter Theresa, die vor 20 Jahren starb.

Gerade heute in der unsicheren und uns einengenden Coronazeit, finden wir Menschen, die verzweifelt, unsicher, bedrückt und hilflos sind, privat in engen Sozialwohnungen, Altenheimen, Krankenhäusern oder auch öffentlich im Alltag und am Arbeitsplatz.

Sollten wir nicht besonders dort unsere Ewigkeit im Herzen in unsere feinfühligen Hände fahren lassen? Auch wir sind aufgerufen, wieder barmherzige Samariter zu werden.

Wollen wir uns fragen, wie wir unserem Nachbarn und jenen, denen wir täglich begegnen, zum Nächsten werden können. Erkennen wir denn deren Not? Lassen wir es nicht so weit kommen, wie es kürzlich geschah, dass eine verzweifelte Mutter ihrem und ihrer Kinder Leben ein Ende setzte.

Wie werde ich dem Anderen zum Nächsten?

Doch wenn ich innerlich frei von mir selbst bin und einen Blick und ein Herz für meinen Nächsten habe. Ich kann ihm meine Zeit und mein Ohr schenken, ihm trotz Maske, einen freundlichen Blick, ein hörendes Ohr und ein freundliches Wort schenken, auch im Abstand ihm nahe sein und mit ihm spazieren gehen.

Wie wichtig ist es, dass freundliche Samariter durch Gottes Liebe das Leid und den Schmerz des Anderen erkennen. Wollen wir vermehrt darauf achten: Wo ist denn dieser Nachbar in Not?

Wollen wir uns durch den Heiligen Geist zeigen lassen, wie wir barmherzige Samariter in der Coronazeit werden können!

Gebe Dich als liebender Mitmensch zu erkennen. Und zeige dich doch als Nächster in deinem Handeln, nämlich dass Dich das ewige Leben, die Liebe zu Gott erfasst hat.

Lass dich an deinem Tun erkennen, dass du der Nächste für einen Menschen in Not bist.                                        Amen