Letzter Sonntag im Kirchenjahr

Schriftlesungen:

Jeremia 23,5-8; Psalm 39,5-14; Matthäus 25,1-13

Erweckungssonntag oder Gottesdienst zum letzten Sonntag im Kirchenjahr.

Mit dem nächsten Sonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Mit welchen Erwartungen gehen wir in die Adventszeit hinein? Wird noch vor Weihnachten mit der Impfung gegen die Coronapandemie begonnen werden? Werden wir Weihnachten alle als Singles erleben müssen, ohne Treffen mit Freunden und Verwandten? Es gibt viele Unsicherheiten. –

Heute feiern katholischen Gläubige den letzten Sonntag im Jahr als Christkönigssonntag, die evangelischen Christen meist als Ewigkeitssonntag. Beide Bezeichnungen haben einen Bezug zueinander jedoch mit etwas anderer Betonung.

Als Anglikaner, (quasi in der Mitte  – als Brückenkirche) benutzen wir oft die gleichen alten evangelischen Lesungen, nennen diesen Sonntag aber: „Erweckungs-Sonntag! Oder Wach-auf-Sonntag! Genauer: „Entzünde –unsern Willen-Sonntag“ .

Dies hat mit unserer besondere Kollekte – oder Tagesgebet für diesen letzten Sonntag im Kirchenjahr zu tun:

Wir bitten dich, o Herr, erwecke den Willen Deines gläubigen Volkes, dass es – reichlich Früchte guter Werke bringend – von Dir reichlich dafür belohnt werde. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Dieses Gebet stammt ursprünglich aus dem Sakramentar von Papst Gregor, einer Sammlung von Gebeten für gottesdienstliche Feiern aus dem 6.-7. Jahrhundert.

Dies ist ein Gebet, das hier eine Verbindung zu den kommenden vier Adventssonntagen und deren besonderen Gebeten herstellt. Der im Englischen bekannte Name heißt auch „Stirr up Sonntag“, erinnert uns an die Tradition, den englischen Weihnachtspudding jetzt zu beginnen und ihn in den nächsten Tagen durch die Familienangehörige vorbereiten lassen, indem sie sich in den kommenden Tagen im Rühren des Puddings dabei abwechseln.

Sollte nicht unser Leben solch ein Pudding sein, in dem besonders Gott (und auch andere verantwortliche Gläubige) abwechselnd unser Leben umrühren sollten, damit der rechte Lebenspudding entsteht? Werden wir nicht in der Coronazeit mächtig umgerührt? Lassen wir und dadurch und durch unseren Gemeindehirten bewegen, dass ein guter Lebenskuchen bei uns entsteht?

Unser Wochengebet besteht aus drei Punkten:

Gott soll:

  1. Den Willen des gläubigen Volkes erwecken – oder entzünden.
  2. Als Ergebnis soll reichlich Frucht entstehen.
  3. Wir sollen reichlich belohnt werden.
  1. Den Willen des gläubigen Volkes erwecken.

Nun sagen wir: „Des „Menschen Wille ist sein Himmelreich“. Gewöhnlich alles, was der Mensch vornimmt, das erreicht er auch. Aber, was er nicht will – keinen Bock drauf hat – das bleibt liegen. So war es auch mit dem alten Gottesvolk. Die meisten blieben ungläubig und erreichten nicht das Gelobte Land, damals und auch später waren sie immer rebellisch und taten ihren eigenen Willen, obwohl sie Gott anrührte, erwecken wollte. So heißt es auch, wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Und weiter: Aber, sie haben nicht gewollt. Auch hören wir von den 10 NT Aussätzigen, dass nur ein Samariter erweckt wurde , zurückkam und Jesus dankte, dass nur Zachäus sich vom stolzen Baum herabrufen ließ, dass allein Paulus vom hohen Ross fiel und seinen Willen Gottes Willen unterordnete.

Die heutige Evangeliumslesung Mt 25,1-13 spricht von den fünf gläubigen und willigen Jungfrauen. Ihr Wille war bereit, dieser hatte auch vorgeplant, und sie ließen sich aufwecken. Dieser Erweckungs-Sonntag“ ist ein Weckruf an deinen Willen. Wozu? Zu einer echten Erweckung. Auch von Christus hören wir es vorbildhaft, was beständige Erweckung ist: Vater, deinen Willen tue ich gern, dein Wort habe ich in meinem Herzen. – Weiter: Gott schafft das Wollen und Vollbringen. Er kann dich gerade in dieser Jahres- oder Lebenszeit erwecken, anzünden und dein Leben endlich total umrühren. Er sagt: Gib mir mein Sohn, meine Tochter dein Herz. Das ist der Sitz deines Willens. Gott will deinen Willen erwecken. Du kannst zwar sagen: Ok. Wie beim Wecker. Ich habe ihn gehört! Aber, ich drehe mich nochmals um im Lebensbett, oder drücke noch mal die Austaste, drücke einfach ab. Damit bleibst du unerweckt. Doch Gott will uns erwecken und entzünden, nicht kurzfristig unsere Emotionen, sondern zuerst unseren bleibenden Willen. Bist du bereit geistlich aufzustehen? Wozu auch?

2. Als Ergebnis soll reichlich Frucht entstehen.

Das Christenleben ist kein bloßes Gedankenspiel, sondern etwas Handfestes. Die Frucht entsteht bei den Gläubigen nicht so sehr in ihren Gedanken oder in ihren Gefühlen, Eindrücken, noch in ihrer Begeisterung und in Worten, sondern als Frucht werden ihre guten Werke bezeichnet. Es soll etwas Sichtbares und Anfassbares entstehen, Zuhause, bei Verwandtschaft, in der Schule und am Arbeitsplatz. Bei uns selbst, für die Christus sein bestes Werk am Kreuz vollbracht hat,  –  Schmerzlich und anfassbar – hier sollen aus Glauben und Dankbarkeit Frucht entstehen. Einmal ist das die Frucht des Geistes, der gute Charakter Christi in uns (Gal 5,22), und dann die guten Werke sind das Ergebnis. Das sind Liebestaten, weil Er uns zuerst geliebt hat. Darauf schaut doch unser Herr!

Die bösen Werke aus dem Fleisch, die sind auch erfassbar: Wie Streit, Unzucht, Feindschaft, Götzendienst, Unsittlichkeit, Trink- und Fressgelage. Dies ist das Gegenteil von guten Früchten. Wollen wir uns jedoch entzünden lassen zu den göttlichen Liebeswerken, gerade in einer Zeit, wo es dunkler wird, wo unsere Weltregierungen Tausende Milliarden Schulden wegen Corona anhäufen, wo Krisen, Stürme, Hoffnungslosigkeit und Unsicherheit sich breit machen. Da lasst uns einander und anderen Hilfsbedürftigen helfen, je nach unserem Vermögen. Also praktisch: Alte, Kranke, Gefangene und Asylsuchende besuchen, helfen, die eigene Ortsgemeinde regelmäßig und in ihrer Evangelisation unterstützen, besonders aber die Liebeswerke Zuhause und bei unseren Nächsten entfalten helfen, ohne aufs Geld oder die eigene Zeit zu sehen.

Zu welcher neuen Einstellung, Hilfe und welchem Einsatz, welchem Gutes tun, lässt du deinen Willen entzünden? Dann aber folgt:

3. Wir sollen reichlich belohnt werden.

Ist es denn unchristlich auf Lohn oder Ehrung zu hoffen? Nein. Es ist gerade notwendig, dass wir wissen, unser Handeln aus Liebe ist nicht sinnlos, sondern es hat einen Ewigkeitswert. Es ist gerade biblisch und von Gott gewollt, dass wir auch auf die Belohnung von Gott schauen.

Abraham wartete auf die Stadt mit ewigen Grundmauern im Himmel, Sarah auf die Verheißung ihres Sohnes, Nachkommen, wie Sterne am Himmel zu besitzen.

Mose hielt die Schmach des Messias für einen größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er dachte an den zukünftigen Lohn.

Denken wir an alle die Gleichnisse Jesu, die von Belohnung sprechen, auch an die Worte des Paulus, dass unser Lohn im Himmel ist, dass wir Kronen empfangen werden, und wie Daniel bemerkte, dass einige Lehrer glänzen werden wie des Himmels Glanz.

Wollen wir auf die Verheißung Gottes schauen, dass wir reich belohnt werden sollen. Dass dies uns dann auch motiviert, reich zu werden an Liebeswerken, das ist doch klar.

Doch vorrangig gilt für uns, dass Gott unseren guten Willen entzündet, besonders am letzten Sonntag im Kirchenjahr, damit wir im kommenden christlichen Jahr, dem Kirchenjahr, viele sichtbare Früchte bringen, weil unser Wille durch den Heiligen Geist echt erweckt wurde. Das ist echte Erweckung.

Wollen wir den“ Erweckungs-Sonntag, den

„Entzünde- unseren Willen-Sonntag“ fest im Herzen behalten. Amen.