Predigt Trinitatis 11 – Christusgemeinde

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Allmächtige Gnade oder gnädige Allmacht in Deinem Leben?

Predigt zum 11. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspuch: „Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den

Lesungen: Altes Testament: Dan 9,3-6.14-18; Epistel: 1 Kor 15,1-11; Evangelium: Lk 18,9-14
Tagesgebet:
O Gott. Du erweist Deine Allmacht vor allem darin, dass Du Mitleid und Erbarmen zeigst. Verleihe uns nach Deiner Barmherzigkeit ein solches Maß Deiner Gnade, dass wir – dem Weg Deiner Gebote folgend – Deine gütigen Verheißungen erlangen und so Teilhaber Deiner himmlischen Schätze werden. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Das heutige Kollektengebet (Tagesgebet für die Woche) bezieht sich auf unsere drei obigen Schriftlesungen, insbesondere wie Gottes Allmacht vor allem in seiner Gnade (Barmherzigkeit und in seinem Mitleid) gesehen wird und von dieser Grundlage aus sein allmächtiges Handeln geschieht.

„Dieser Zusammenhang – Gnade und Allmacht – ist besonders in den Gedanken zu finden, dass die Bekehrung und Errettung eines Sünders dann Anteil an Gott an seinem „himmlischen Schatz“ gibt.

  1. Das Werk der Barmherzigkeit ist jedoch zugleich Gottes höchstes Handeln in Macht. Denn die Kräfte, die hier benötigt werden, um die Rechtfertigung eines von Gott getrennten Sünders zu erreichen sind folgend: Es geht darum die geistliche Trennung zwischen Gott und den Menschen aufzuheben. Und dies geschieht durch nichts Geringeres als durch das Blutvergießen und den Gehorsam seines Sohnes. Darin liegt die allmächtige Kraft.
  2. Auch die Kräfte, die notwendig sind, um die Heiligung des nun geretteten Sünders zu bewirken, ist nichts Geringeres als das weiter mächtige Wirken des Geistes Gottes. Dieses erste und zweite Eingreifen geschieht aus Gnade, bzw. aus Mitleid und Barmherzigkeit Gottes an allen Gläubigen.

Das hier angesprochene Ineinander greifen des Wunders der Barmherzigkeit und der Macht Gottes wird am deutlichsten am Beispiel des Apostels Paulus in der heutigen Epistel Lesung erkannt (1 Kor 15,1-11). Gott erklärte seine Allmacht am Nachdrücklichsten in Rückgewinnung dieses Verfolgers der Gemeinde Christi. – Er musste gebändigt werden, durch Blendung seiner Augen, durch Sturz vom Pferd, durch Schrecken und Hilflosigkeit bei der Orientierung, durch Besuch und Gebet eines einfachen Bruders und Begnadigung. Die Gnade, die einherging mit Allmacht, verwandelte diesen unwürdigen Pharisäer, diese Fehlgeburt Saulus in einen bekehrten Paulus. Und wie alle Menschen von Geburt an durch Sünde Adams auch eine Fehlgeburt sind, so müssen auch wir durch Gottes Allmacht von unserem hohen Ross geworfen werden, müssen geblendet werden, um blind zu werden für den Glitz und Glamour dieser Welt, und der Welt Satans. Der sagt: All diese neuesten Dinge der Welt musst du besitzen, alle deine selbst gesteckten Ziele musst du erreichen, du musst vor den Menschen nach Anerkennung streben, du musst dich selbst verwirklichen, du musst nur an dich denken, sind seine Eingebungen.

Erkennen wir, es benötigt eine ungeheure Kraft, uns aus der Macht unserer Gedanken, unseres verbogenen Willens und der Macht Satans herauszulösen.

Diese Herauslösung geschah bei Paulus aus Gnade.

Bei jeder Bekehrung zu Gott und Ergreifen der Erlösung durch Christus finden wir, dass die Macht Gottes mit Barmherzigkeit gepaart ist, mit der Gnade daherkommt.

Denn je schlimmer die Sünde des Sünders, je tiefer der Abgrund, in den er vor Gott und Menschen gesunken ist, je dunkler sein Leben, desto stärker ist die Macht Gottes gefragt, die Ihn oder Sie aus Sumpf und Dunkelheit herausziehen kann.

In jedem Fall ist die unbegrenzte Macht und die unbegrenzte Gnade Gottes gefragt und wird tätig.

Dies geschah bei Paulus, der die Kirche Gottes und damit Christus selbst verfolgte. Er, der Unwürdige, die Fehlgeburt, wird nun durch die geistliche Neugeburt gleichzeitig berufen, ein Instrument zur Verbreitung des Evangeliums zu werden.

Und er wird es auch, mehr als die anderen Apostel. Der unwürdigste Apostel wird zum meist gebrauchten Apostel, zum effektivsten in der Mission. Warum? Durch die allmächtige Gnade.

Paulus wurde damit berufen, ein Instrument zur Verbreitung des Evangeliums zu werden.

Und dieses Evangelium ist uns im Wortlaut überliefert. An diesen Wortlaut müssen wir uns halten, dass Christus wegen unserer Schuld vor Gott gestorben und von den Toten auferstanden ist nach drei Tagen, und dass ihn mehr als 520 Zeugen lebend gesehen haben.

Ja, die Gnade Gottes geht einher mit der Allmacht Gottes, besonders in der machtvollen Auferstehung Jesu Christi.

Gottes Allmacht zeigt sich besonders auch bei seinem auserwählten Volk.

Immer wieder fiel es von Gott ab vom Errichten des goldenen Kalbes bis zum Anbeten von Götzen auf allen Höhen und unter Bäumen und Unzucht treiben im Tempel. Gott führte es in seiner Allmacht in die Gefangenschaft der Völker.

In unserer AT Lesung betet Daniel und bekennt für sich und das ganze Volk, dass sie immer wieder nicht getan haben, was sie tun sollten, aber getan, was sie unterlassen sollten, und dass kein Heil in ihnen vorhanden war.

Dann aber antwortet Gott in seiner allmächtigen Gnade. Er führt sie nach 70 Jahren wieder in das verheißene Land, zurück nach Israel. Er unterstützt sie sogar durch ihre einstigen Unterdrücker und lässt durch sie Jerusalem und den Tempel wieder aufbauen.

So sagt auch der Psalmist (106, 7-8). Unsre Väter in Ägypten wollten deine Wunder nicht verstehen. Sie gedachten nicht an deine große Güte und waren ungehorsam am Meer, am Schilfmeer. Er aber half ihnen um seines Namens willen, dass er seine Macht beweise.

Obwohl also Israel immer wieder so tief gefallen war, befreite sie Gott – nicht um ihrer guten Werke oder ihres großmütigen Charakters willen – sondern um seines Namens willen, aus Gnade, um darin seine Macht zu beweisen. Allmächtige Gnade!

Gottes Allmacht zeigt sich auch in unserer Evangeliumslese in Gnade. Im Kontrast zwischen dem sich als Nr. 1 darstellenden Pharisäer, der besser und vollkommener sich neben Gott im Tempel stellte als der in der Ferne stehende Sünder. Gott hätte ja noch froh sein müssen, solch einen Kerl im Gottesdienst zu haben und ihn bedienen zu können. Er hätte ihm noch danken sollen, dass dieser makellose Kerl ihn im Tempel besucht.

Doch nein, Gott verachtet die Stolzen, die Hochmütigen, die da überall auffallen und sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Bei jenen kann seine allmächtige Gnade nicht wirken. Sie wird von dem blitzenden Ego-Feuerwerks des Selbstgerechten abgewiesen.

Doch bei unserem Zöllner oder Zolleintreiber, der wusste, dass er viel Dreck am Stecken durch Unwahrheit und Betrug hatte, bei ihm zeigt Gott seine Allmacht und Gnade. Dieser Mensch hatte vor Gott nichts verdient, hatte keinerlei Anspruch auf Anhörung, Zuneigung oder irgendein Entgegenkommen Gottes.

Da dieser sich aber als völlig bloß, als vollkommen bedürftig, als Armer vor Gott im Geist darstellt, deshalb wird er zum Gegenstand der Gnade und Liebe Gottes.

Der Zöllner sagt quasi: meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld, und: Sei mir gnädig.

Damit öffnet er sein leeres Leben, öffnet das Schleusentor, sein ausgetrocknete Lebensdock. Jetzt strömen und schießen die Wasser der Gnade hinein in sein Leben. Er erhält das Wasser des Heils umsonst, ohne jegliches Verdienst.

Lass auch Du – wie bei Paulus und dem Zöllner – die Allmacht Gottes besonders durch die Gnade Gottes in dein Leben einströmen. Lass Dein Leben durch die Macht der Gnade verändern. Denn Dein Leben soll das eines würdigen Gesandten des Evangeliums sein, der den Wortlaut der Gnade recht verkündigt. Dann werden auch Fernstehende durch sie verändert. Amen.