Trinity

 

 

Download: –> Predigt zu Offb 4,1-11 Trinitatis

TRINITATIS 2019 – Wer dient wem?

Oder spiegelt unser Gottesdienst den himmlischen wieder?

Offenb. 4,1-11

 

Gottesdienst, das ist eine Verpflichtung und ein Privileg für das Volk Gottes, im Alten, wie auch im Neuen Bund. Die Frage nach dem rechten Gottesdienst wird immer wieder neu gestellt. Liturgie oder Gottesdienst, hat dies vorrangig mit uns Menschen oder mit Gott zu tun? Geht es darum, dass wir etwas vom Gottesdienst haben, dass er uns etwas gibt, dass wir aufgebaut werden? Wohin geht der heutige Gottesdienst-Trend?
Wir kommen doch zusammen, um eine gute Zeit zu haben! Nun, wenn wir solche Aussagen betrachten, scheint es sich bei solchen Treffen doch stark um die Bedürfnisse der Gottesdienst-Zuschauer zu gehen, die befriedigt werden sollen. Das ist also die Frage aller Fragen. Bedeutet denn Gottesdienst, dass wir Gott dienen? oder doch eher, dass Gott uns dient? Geht es um Bedürfnisbefriedigung des Menschen oder um die Ehrerbietung Gottes?
Ohne jedoch auf die gesamte alt- und neutestamentliche Gottesdienstgestaltung oder die Bedeutung von Liturgia, dem „Wirken des Volkes“ für einen höheren Sinn einzugehen, wollen wir heute nur den Predigttext aus Offenbarung 4,1-11 betrachten und eine Antwort finden. Hier wird dem Apostel Johannes ein Blick in den himmlischen Thronraum gewährt, der ja ein Vorbild unseres irdischen Gottesdienstes ist.

1. Wer ist der Gegenstand der Anbetung?

Er wird hier wird mit ER beschrieben und sitzt auf einem Thron. Ein Thron spricht von Würde und Macht. Er wird beschrieben mit leuchtender Heiligkeit und mit blutroten Erlösungsfarben sowie die Regenbogenfarben, die an seinen fortgesetzten Schöpfungsbund erinnern.
Die 24 Ältesten repräsentieren 2 x 12 Vertreter des Gottesvolkes aus dem gläubigen Israel und den gläubigen Nichtjuden. Sie versammeln sich um den Thron und bringen Gott dem Schöpfer stellvertretend für alle Gläubigen die Ehre da. Die vier Wesen als Tiere dargestellt scheinen vier ranghohe Engel zu sein, die Gott dienen, und seine Macht stützen. Dies ist der Gegenstand unserer Anbetung. Wer steht hier im Mittelpunkt? Es ist Gott allein, der von der Kirche des Alten und Neuen Bundes und den Engeln angebetet wird.

2. Was sind die Handlungen ihrer Anbetung?

Die vier Wesen der Macht leiteten den Gottesdienst. Sie machten Vorgaben für alle übrigen und als kleiner Chor stimmen sie zum Lobpreis an. Danach fallen 24 Vertreter aller Gläubigen auf die Knie und verehren Gott, legen ihre Kronen, ihre geschenkte Ehrung zu Gottes Füßen. Diese Ältesten sind nicht von ihrem Können und Amt eingenommen. Es gibt keine eigene Ehre vor dem Thron Gottes. Auch die von Gott geschenkte Ehre wird nur dazu benutzt, um ihm allein wieder die Ehre zu bringen.
3. Was sind die Worte der Verehrung?
Die liturgischen Engelwesen als Gottesdienstleiter sprachen die Worte: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.
Wir merken, dass Worte der Heiligkeit und der Beschreibung des ewigen Gottes den Akt der Anbetung einleiten. Gott ist vollkommen, allmächtig und ewig. Als nächstes folgen die Worte der Anbetung durch die 24 Ältesten: Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft.
Dies sind Worte der Würdigung. Ja, Gott ist es wert, dass man ihn ehrt, und nur ihn allein. Auch die Stellvertreter des Volkes Gottes haben alle ihre eigenen Ehrungen vom Haupt genommen. So sollen auch alle Gläubigen ihn würdigen und wertschätzen.
Weiter wollen wir hier anmerken, dass biblische Gebete im Gottesdienst gewöhnlich stellvertretende Gebete der Leiter oder gemeinsame mit einem Munde gesprochene Gebete aller sind. Wenn schon die 24 Stellvertreter das Gebet gemeinsam sprechen,
wie viel mehr sollte dies das Volk Gottes hier auf Erden in ihren Gottesdiensten tun: Gemeinsame biblische Gebete sprechen, die sich auf Gottes Wesen und Werk gründen, und Gott mit dem Wort und Sinn der Schrift anbeten. Dies ist sicherlich, „Gott im Geist und der Wahrheit anbeten“. Wir finden hier im Himmel auch keine Spontangebete, die gerade jemanden in den Sinn kommen, auch nicht, dass alle gleichzeitig wie im Bienenschwarm vor sich hinsummend, ihre individuellen Gebete simultan sprechen. Auch hören wir nichts von Reden in anderen Sprachen vor dem Thron Gottes, sondern alles geht in Ehre erbietender verständlicher Ordnung zu.

4. Was ist der Grund ihrer Anbetung?

a) Gott ist der Schöpfer aller Dinge
… denn du hast alle Dinge geschaffen… Die Ursache aller Anbetung: Die Geschöpfe sind aber auf Grund ihrer Geschöpflichkeit dazu bestimmt und verpflichtet, Gott zu verehren und anzubeten. Doch Gott schuf nicht nur den Menschen, sondern auch alle Welt und das gesamte Universum; den Mikrokosmos und den Makrokosmos. Und da der Mensch in Sünde fiel, erschuf Gott den neuen Menschen in Christus, auch uns durch die Wiedergeburt als neue Kinder Gottes. Weil er all dieses tat, soll auch kein geschaffenes Ding, sondern nur der Schöpfer angebetet werden. Unsere Anbetung Gottes hat ihren guten und festen Grund, den Schöpfer.

b) Gott ist der Erhalter aller Dinge
… und durch deinen Willen waren sie. Oder wir können auch übersetzen: durch deinen Willen sind sie. Weil Gott nicht nur der Uhrmacher war, der die „Weltenuhr“ herstellte, aufzog und sie nun ablaufen lässt, sondern alle Abläufe aller Dinge in seiner Hand hat und alle Lebensgesetze weiter aktiv unterhält, auch unseren Glauben und unser ewiges Leben sicherstellt, deshalb sollen wir ihn allein verehren. Er ist der Erhalter aller Dinge. Und deshalb dürfen auch keine anderen Dinge oder Menschen, die auch von Gottes Macht und Willen abhängig sind, angebetet und verehrt werden.

c) Gott ist Ursache und Ziel aller Dinge
…und wurden sie geschaffen. Weil Gott Ursache aller Dinge ist, alles auf ihn hin ausgerichtet, deshalb hat alles seine Bestimmung. Gottes Plan und Ratschluss besteht von Ewigkeit her und hat ein ewiges Ziel. Weil sein Ratschluss gut ist, deshalb sollen wir ihn allein im Gottesdienst verehren. Über den Zweck unserer eigenen Schöpfung fragt ein Katechismus: Warum hat Gott dich und alle Dinge erschaffen? Antwort: Zu seiner eigenen Verherrlichung. Deshalb wollen wir ihn auch allein verherrlichen.

+ + +

Wir durften uns den Gottesdienst-Typus des himmlischen Gottesdienstes vor Augen halten. Dieser beantwortet die Frage, wer wem im Gottesdienst dient: Gott den Menschen oder der Mensch Gott? Es ist uns von der Schrift klar geworden, dass nur der heilige und allmächtige und ewige Schöpfergott einziger Grund und Zentrum unserer Anbetung sein kann. Nun darf sich jeder Einzelne von uns fragen: Habe ich bereits eine Schau wie Johannes? Finde ich den Zugang zum heiligen Thron Gottes? Erkenne ich Gottes Wesen? Höre ich das „Dreimal Heilig“, wenn ich mich Gott nahe? Verneige ich mich vor ihm im Herzen, äußerlich mit meinem Körper und ganzem Sein? Spreche ich zu ihm die rechten Worte biblischer Anbetung? Wenn dies so ist, dann sind alle unsere ichbezogenen und psychologischen Fragen uninteressant: „Hat mir der Gottesdienst etwas gegeben? Hat mir die Musik gefallen?“ Denn wir sind doch allein vor Gott versammelt, um Gott etwas zu geben, was ihm gebührt: Uns selbst, dass wir seinen Lobpreis singen, sein Wort ihm zurückgeben, sowie unsere Schuld und auch unseren Glauben bekennen. Ob wir uns nun dabei erfreuen oder etwas empfangen oder verspüren, ist nicht so sehr wichtig in uns selbst zu beobachten. Jedoch soll unsere ganze Betrachtung auf Gott ausgerichtet sein. Denn wir dienen IHM.

Wenn wir Gott ganz in die Mitte unserer Gottesdiensterfahrung stellen, wird sein Segen uns bestimmt nachfolgen. Amen